Demokratiefähigkeit bilden

Verbundprojekt

Das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW in den Jahren 2022-2026 geförderte Verbundprojekt geht davon aus, dass sich die Fähigkeit zur empathischen, gewaltfreien und engagierten Mitgestaltung einer demokratischen Gesellschaft insbesondere durch entsprechende persönlichkeitsbildende Beziehungserfahrungen und Angebote in der Aus- und Weiterbildung von Pädagog*innen kultivieren lässt.

Ziel des Projekts Demokratiefähigkeit bilden

Der Projektverbund Demokratiefähigkeit bilden hat zum Ziel, praxistaugliche evidenzbasierte Bildungs- und Entwicklungsangebote bereitzustellen, die langfristig dazu beitragen sollen, (angehenden Lehrkräften) eine pro-demokratische Haltung und die benötigten Kompetenzen für eine demokratiefördernde Lehr-Lern-Praxis zu vermitteln. Die Vermittlung der Demokratiefähigkeiten soll hierbei nicht nur auf einer rein kognitiven Ebene stattfinden, sondern vielmehr auch auf der affektiv beziehungsgestaltenden Ebene wirken. Diese multiperspektivische Vermittlung spiegelt sich bereits in den im Projekt vertretenen Expertisen wider, die neben einer politik- und bildungswissenschaftlichen Basis vor allem den Blick auf Methoden der Achtsamkeit, Traumasensitivität, Gewaltfreien Kommunikation, Stressprävention und einen schulseelsorglichen Habitus legen. 

Wissenschaftliche Grundlagen und didaktischer Ansatz

Die wissenschaftlichen Grundlagen haben bereits auf einer theoretischen Ebene gezeigt, wie diese Methoden dazu beitragen können im Rahmen der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften eine verkörperte pro-demokratische Haltung zu etablieren. Die vorliegende Methodensammlung soll nun auf operationaler Ebene didaktische Bildungsimpulse für die Kultivierung einer pro-demokratischen Lehr-Lern-Praxis in Form verschiedenster Übungen und Materialien anbieten. Diesen liegt eine achtsame und gewaltfreie Haltung zugrunde und sie sollen dabei unterstützen, einen Haltungswechsel der Lehrkräfte zu fördern und diesen in einem weiteren Schritt in das Lernumfeld zu transferieren. In den wissenschaftlichen Grundlagen wurden dazu bereits Gelingensfaktoren beschrieben, die sowohl die Praxis- und Lehrerfahrungen als auch die verschiedenen im Projektverbund vertretenen Ansätze und Perspektiven für eine demokratiefördernde Bildungspraxis kontextualisieren. Wesentlich erscheint dabei neben der Bereitschaft zu nicht-dominantem, partizipativem und traumasensitivem Unterricht die Förderung pro-sozialer Persönlichkeitsentwicklung, Resilienz sowie die Herausbildung von Empathiefähigkeit und Mitgefühl.

Fundament einer demokratiefördernden Lehr-Lern-Praxis

Die Stärkung gemeinschaftlicher, achtsam-gewaltfreier Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeiten nach innen und außen, die (Selbst)Fürsorge, Gleichwürdigkeit, Authentizität und Wertschätzung fördern, bilden dabei in Haltung und Methodik das Fundament. Wissensvermittelnde Elemente aus trauma-informierter und differenzfreundlicher Pädagogik und Achtsamkeit, Psychologie sowie gewaltfreier Kommunikation betrachten wir dabei als Grundlagen für ein langanhaltendes und demokratieförderndes Lernen und Wachsen.

Zielsetzung und Nutzen der Methodensammlung

Die Handlungsempfehlungen der Methodensammlung sollen dazu beitragen, eine Lehr-Lern-Atmosphäre zu schaffen, in der ein hohes zwischenmenschliches Vertrauen besteht, da dies als Basis für ein kooperatives, konstruktives und vor allem demokratisches Miteinander eingeschätzt wird. Die Methoden zielen dabei in erster Linie darauf ab, dass die Lehrkräfte in der Bildung demokratischer Fähigkeiten gestärkt werden und diese als Multiplikator*innen an die Lernenden weitergeben, um so langfristig eine breit gestreute Zielgruppe zu erreichen und einen gesamtgesellschaftlichen Haltungswechsel zu unterstützen.


Der Projektverbund geht davon aus, dass die Bildung demokratischer Fähigkeiten ein andauernder, dynamischer Lehr-Lern-Prozess ist, der einer stetigen Kultivierung bedarf, und soll somit in den verschiedensten Altersgruppen und -situationen anwendbar sein.

Aufbau der Methodensammlung

Die Methodensammlung ist entlang der im Projektverbund vertretenen Partnerinstitutionen und ihrer jeweiligen thematischen Schwerpunkte strukturiert. Dadurch werden die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und methodischen Zugänge des Projekts sichtbar und zugleich in einen gemeinsamen Kontext eingebettet. Zur Orientierung bietet eine Übersichtsgrafik einen Gesamtüberblick über alle in der Sammlung enthaltenen Methoden und deren grobe thematische Zuordnung. Ergänzend veranschaulicht ein Wirkungsschema die Beziehungen zwischen den einzelnen Methoden, ihren Zielsetzungen und -gruppen sowie den zugrunde liegenden theoretischen Ansätzen. Hierdurch werden sowohl die inhaltlichen Verknüpfungen als auch die gemeinsamen Wirkannahmen der verschiedenen Projektbausteine transparent dargestellt und für die praktische Anwendung erschlossen.

Schwerpunkte der Methodensammlung

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Methoden der Emotions- und Stressregulation, der introspektiv-relationalen Persönlichkeitsentwicklung, der Kultivierung von Mitgefühl und Freundlichkeit sowie einem pro-demokratischen Führungsstil. Auch Fragen zur Selbstverantwortung sowie Verantwortungsübernahme, beispielsweise in Konfliktsituationen, sowie Tools zur Erkundung und Anerkennung der eigenen inneren Diversität finden Einzug in die Lehr-Lern-Methoden. Darüber hinaus werden die Zusammenhänge von Sprache und Gewalt sowie der Einfluss der gewaltfreien Kommunikation in den Blick genommen. Die Aneignung entsprechender (vor)sprachlicher und kommunikativer Fähigkeiten wird als essentieller Bestandteil zur Persönlichkeitsentwicklung und Beziehungsgestaltung vorausgesetzt. Diese Perspektiven werden zudem durch die Schulung seelsorglicher Kompetenzen und die Bildung eines schulseelsorglichen Habitus erweitert.

Einladung zur praktischen Umsetzung

Mit der Methodensammlung laden wir Fachkräfte in der pädagogischen Aus- und Weiterbildung zur Kultivierung ihrer eigenen Demokratiefähigkeiten und der ihrer Zielgruppen ein. Dabei möchten wir ermutigen und Lust auf authentisch verkörperte Vermittlung machen. Die Kraft von traumasensitiver, wertebasierter, dominanzfreier und bewusst gelebter Demokratie soll dabei im pädagogischen Alltag erlebbar werden.


Eine bewusste, achtsame Selbstreflektion von Pädagog*innen bereitet hierfür ebenso einen nährenden und respektvollen Boden, wie die Gestaltung von stabilisierenden und sicheren Lehr-Lern-Atmosphären. Diese werden beispielsweise über die Gestaltung gemeinsamer, achtsamer und körperorientierter Rituale, Momente und Übungen sowie auch der Einbezug aller Lernenden, unabhängig von der individuellen Geschichte, persönlichen Fähigkeiten und sozialen Möglichkeiten, z.B. über non-verbale/kreative Unterrichtsmethoden, Mentor*innen- und Buddy-Konzeptionen oder partizipative Lern- und Unterrichtsgestaltung geschaffen.